Ein de’ignis-Fachartikel zur Entstehung von existenziellen Problemen, daraus resultierenden Krisen und Möglichkeiten der Behandlung. Zum Beispiel mithilfe der „Existenziellen Psychotherapie“ oder der „Christlich-integrativen Therapie und Beratung“ (CiBT).

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Auf die inneren Werte kommt es an?

Letzthin bemerkte mein Kardiologe, im Alter komme es auf die inneren Werte an! Welche Werte meint er denn: Leber, Niere, Elektrolyte? Oder Erfahrungswerte, die man nur mit dem Alter bekommt oder was noch für den Rest meines Lebens wichtig ist?

Werte sind in der derzeitigen gesellschaftlichen und politischen Diskussion in aller Munde. Früher war es wichtig, multikulturell mit unterschiedlichen Werten zu sein, während andere verbindliche Leitwerte forderten. Derzeit ist es aber sehr bedenklich, dass alte Werte wie Nation  oder Heimat wieder diskutiert werden. Es ist der Versuch mit den „richtigen“ Werten, umfassende Angst vor Bedeutungsverlust zu mindern und die Welt zu erklären. Es läuft in der Politik und Religion ein Kampf, wer die besseren Werte hat und damit einen besseren Grund für sein Handeln. Damit werden die Funktionen von Werten deutlich: Sinnstiftung, Maßstab, Richtung, und Motivation zum Handeln und Sein.

Zwischenzeitlich hat sich der Schwerpunkt der Wertediskussion verschoben auf grundlegendere Probleme und den Umgang damit: Artensterben, Klimaerwärmung, die Zerstörung der Lebensgrundlagen mit der Konsequenz, dass von jedem Einzelnen eine nachhaltige Veränderung seiner Lebensweise erforderlich wird.
Die Menschheit steht vor existenziellen Fragen und die Suche nach der richtigen Strategie ist eine Frage der Werte, wie es mit der menschlichen Existenz weitergeht.

Mit dieser globalen gemeinschaftlichen Suche nach Antworten ist die individuelle Suche einer persönlichen Antwort auf die eigenen existenziellen Problemen eng verwoben, denn weitreichende soziale Werte engen die Möglichkeiten des Umgangs mit persönlichen Werten ein.
Das Zusammenhängen zwischen individuellen und universellen Werten, also alle Menschen betreffenden Probleme und Antworten zu reflektieren, ist die Aufgabe von Religion/Theologie und Philosophie/Kultur. Erst wenn dieses Zusammenspiel offen und stabil ist, kann das Individuum eine Auswahl der eigenen Bedürfnisse und Werte entwickeln. Die Werte einer Religion beanspruchen einen fundamentalen Platz im Handeln der Menschen unabhängig von Zeit, Kultur und Raum. Ist dieser Werteanker in Zeiten des Umbruchs wirksam oder wird er auch ersetzt?

Die individuelle Suche einer persönlichen Antwort auf die eigenen existenziellen Problemen beginnt früh und betrifft heutzutage unter anderem die Fragen zum Schutz der Umwelt.
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Eine Phase von Umbruch der Lebensbedingungen ist immer eine Periode erhöhter emotional-kognitiver Anfälligkeit und Ansteigen der psychopathologischen Reaktionen.
Diese Kombination von Veränderung der Lebensbedingungen, Wertewechsel und psychischer Reaktion kennzeichnet ein existenzielles Problem/Krise (EP/K) für das Individuum, unabhängig vom Ausmaß der sozialen Umbruchsituation.
Besonders ein Teil der Bewohner in den neuen Bundesländern fühlen sich in einer Jahrzehnte langen Wechselsituation.
Um mit einem existenziellen Problem bzw. einer Krise (EP/K) adäquat umzugehen, ist es notwendig, dass auch eine Anpassung der Psychiatrie/Psychotherapie und ihrer Behandlungsmethoden an diese Entwicklung erfolgt.

Auf diesem Hintergrund entstehen immer mehr Sinn-und werteorientierte Behandlungsansätze. Parallel entsteht dazu eine Rückbesinnung bzw. Neuentdeckung früher entwickelter Psychotherapieansätze.
Im Rahmen der Umbruchsituation werden auch theologische Fragen und Antworten wieder virulent, wegen ihrer fundamentalen und universellen Gültigkeit. Die Wahl der Werte ist in dieser Perspektive immer auch eine Wahl der zugrunde liegenden Anthropologie. Die aktuell zurate gezogenen Anthropologien der Psychiatrie/Psychologie/Psychotherapie sind reduktionistisch, somatisch und empirisch/statistisch sehr wenig soziologisch orientiert und stoßen nun an die Grenzen in der Erklärung der EP/K.

Kulturanthropologisch gesehen, geht es in der menschlichen Geschichte immer um Fragen des Zugangs von Wasser, Nahrung, Energie und Glaube. In allen Perioden der Menschheit sind diese Fragen durch kriegerische Auseinandersetzungen gelöst worden. Der heutige Zeitgenosse denkt vielleicht, dass dieser Lösungsweg biologisch finaler Art überwunden sei.
Die heutige Situation ist jedoch aufgrund der technischen Möglichkeiten (Möglichkeit zur Vernichtung der Menschheit) und dem Mangel an Ausweichmöglichkeiten (zum Beispiel dem auswandern in neue Kontinente) einzigartig und zugespitzt. Es gibt keinen Plan B!
Aber verlassen wir die universelle Perspektive und konzentrieren wir uns auf die individuelle fundamentale Existenz des Einzelnen.

Sinn bedeutet etwas richtig zu machen und kann gerade in herausfordernden Berufen wie der Altenpflege erfahren werden. Daher gilt die Altenpflege oder Gesundheitspflege als sinnstiftende Arbeit.
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Definition von Wert, Sinn und Existenz –
in welchem Verhältnis stehen sie zueinander?

Sinn

Im Duden wird dem Sinn folgende Bedeutungsübersicht gegeben:

  • Fähigkeit der Wahrnehmung und Empfindung (Sinnesorgane).
  • Gefühl und Verständnis für etwas (Emotion).
  • Eine innere Beziehung zu etwas in der Art wie jemand denkt (Passung).
  • Gedanklicher Inhalt und Bedeutung zu etwas (Kognition).
  • Ziel und Zweck, Wert der einer Sache innewohnt (Wahrnehmen).
  • Gespür von etwas Höherem (Transzendenz).

Auf den Punkt gebracht: Sinn bedeutet etwas richtig zu machen. Ansätze zur Beschreibung des Begriffes „Sinn“ zeigen nur, dass der Sinn ein grundlegender Begriff ist, der nichts mit Logik zu tun hat. Es gibt scheinbar etwas Fundamentales, was Sinn macht und Sinn gibt in der Kategorie von sinnlos und sinnvoll.
Bei dieser Sichtweise gewinnt die Begründung eines Sinns, durch eine Art von Menschen objektiv unabhängigen Übersinn, eine universelle transzendente Tragweite. Die Theologie überschreitet die philosophische Grenze der Ontologie und weist Gott als Quelle des Sinns aus (ein entscheidender Unterschied: der Sinn ist ein persönlicher Hinweis).

Wert

Hier steht nicht zur Debatte: Zahl, Funktionswert, Messwert, wirtschaftlicher Wert usw. sondern: Wertvorstellungen im Sinne der Ethik, soziale Normen als Richtlinie für soziales Handeln und Religion hier im speziellen christliche Werte als ein System menschlicher Werte und Normen, das auf übermenschlicher Basis beruht.
Das Verhältnis zwischen Sinn und Wert besteht darin, dass der Sinn einen Rahmen vorgibt, indem der Wert einen Schwerpunkt und Richtung setzt. Zum Beispiel: Ein (Ehe-)Paar hat die Möglichkeit durch Kinder eine Familie zu werden. Ob dies passiert, hängt von dem ab, ob dieser Wunsch für das Paar wertvoll für die Beziehung ist.

Existenz

Das Wort bedeutet philosophisch „das Vorhandensein eines Dings ohne nähere Bestimmung“. Diese einfache Definition wird in diesem Artikel nicht vertieft in Richtung Mathematik, Logik, Philosophie oder Soziologie, sondern eingeengt auf den Existenzialismus, wo Existenz als Synonym für menschliches Dasein verwendet wird.
Das Verhältnis zwischen Existenz, Sinn und Wert besteht darin, dass dem Menschen vom Sinn existenzielle Fragen gestellt werden, auf die er eine Antwort im Sinne einer Wertewahl und -hierarchie geben muss. Der hier beschriebene Prozess ist ein fundamentaler existenzieller Vorgang, den jeder Mensch gemäß seiner Disposition (Biografie und Vulnerabilität) beantwortet (vgl. Grundkonflikt der Christlich-integrativen Beratung und Therapie). Dies ist der Rahmen einer EP/K.

 

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Darüber hinaus erhalten Sie bei uns individuelle Beratung und Coaching zu spezifischen Themen, die die psychische Gesundheit betreffen oder Ihrer gesundheitlichen Vorsorge bzw. zur Prävention von psychischen Erkrankungen dienen.

EP/K und Krankheit

Jeder Mensch hat also existenzielle Probleme, die durch die erkannte Begrenzung des eigenen Daseins entstehen. Sie werden zu einem Konflikt und einer damit verbundenen möglichen daraus resultierenden psychosozialen Störung, wenn der einzelne wegen seiner spezifischen Wertehierarchie, Kognitions-, Emotions- und Handlungsmuster unerwünschte negative kognitiv-emotionale Dissonanzen erfährt.
Anfänglich reagiert er dabei mit unterschiedlichen emotionalen Reaktionen gemäß den Grundgefühlen:

  • Angst, wenn er von einer echten oder vermeintlichen Bedrohung der eigenen psychischen Existenz ausgesetzt ist: Tod, Leid, Unfall, Behinderung oder Trauma, Schuld bei Versagen, Schmerz.
  • Trauer, wenn er seine Sicherheit verliert und sein Dasein als sinnlos erlebt und erliebt.
  • Wut, wenn er sich als ohnmächtig und ausgeliefert erlebt, also ohne Handlungsalternative wahrnimmt.
  • Scham, wenn seine innersten intimsten Gedanken offengelegt werden und er sich als bloßgestellt erlebt.

Im Grunde ist seine Existenz grundsätzlich infrage gestellt. Aufgrund seiner Biografie und Lernerfahrungen reagiert der Mensch mit erlerntem internem versus externem Angriffs-, Flucht-, Todes-, oder Verleugnungsverhalten. Bei dieser unzureichenden im Grunde veralteten Antwort, entwickeln sich möglicherweise psychische Störungen wie Angst, Depression oder Sucht. Die Werte spielen dabei eine richtungsgebende Rolle.

  • Wenn analog dem Wertesystem oder Glaubenssystem der richtige, wahre Weg durchs Leben nicht erkannt oder gesichert werden kann …
  • Wenn der Mensch innerhalb seines Wertesystems Konflikte oder Widersprüche erlebt, die er nicht vermeiden oder lösen kann und eine Alles- oder nichts Reaktion entwickelt …
  • Wenn im Rahmen des Wertesystems ein Gerechtigkeitskonzept mit Schuld/Sühne enthalten ist, welches unausweichliche Konsequenzen androht …
  • Wenn er neue Erkenntnisse und Erfahrungen macht, welche den Rahmen seines Wertesystems sprengen und er damit seine vermeintliche Sicherheit verliert …
  • Wenn das Wertesystem Vorgaben enthält, die nicht erreichbar sind und zu einer Sinnlosigkeit des Daseins führen … dann entwickelt sich wahrscheinlich eine psychosoziale Störung, bei der nicht nur eine Weiterentwicklung des psychischen Apparates mit seinen Emotionen und Kognitionen notwendig wird (Therapie), sondern auch eine Neuentscheidung (Volition) im Werte/Glaubenssystem (existenzielles Wachstum). (Abb. 1)

Nach statistischen Überprüfungen (von Patienten in Psychotherapien genannt) findet man:

  • Selbstwertprobleme mit 80 Prozent
  • Frustrations-/Stressintoleranz-Probleme mit 70 Prozent
  • EP/K mit 20 Prozent

Kritisch anzumerken ist, dass die Messinstrumente eine Auswahl aufgrund der anthropologischen Expertise sind und damit eine verzerrte Listung der Häufigkeiten darstellen.

Jede psychische Störung enthält und ist ein existenzielles Problem, das aber aufgrund der unterschiedlichen Schwerpunkte des Wertesystems von selbst in den Hintergrund gedrängt wird oder wegen des Frustration-/Stressintoleranz-Problems nicht wahrgenommen wird. (Abb. 2)
Die anthropologische Sichtweise steuert ebenfalls die Wahl der Therapie. Die aktuelle gesellschaftliche, politische und soziale Situation führt mit wachsender Wahrscheinlichkeit zu einem Anstieg sichtbarer und wahrgenommener existenzieller Probleme. Die Diagnose eines existenziellen Problems ist bei folgenden Krankheitsbildern nach ICD 10 wahrscheinlich: F1xxx, F32xx, F33xx, F 40xx, F 41.0, F 41.1, F 42xx, F43xx, F45xx und suizidalen Reaktionen.

Wenn der Mensch innerhalb seines Wertesystems Konflikte oder Widersprüche erlebt, die er nicht vermeiden oder lösen kann und eine Alles- oder nichts Reaktion entwickelt oder das Wertesystem Vorgaben enthält, die nicht erreichbar sind und zu einer Sinnlosigkeit des Daseins führen, dann entwickelt sich wahrscheinlich eine psychosoziale Störung, bei der nicht nur eine Weiterentwicklung des psychischen Apparates mit seinen Emotionen und Kognitionen notwendig wird (Therapie), sondern auch eine Neuentscheidung (Volition) im Werte/Glaubenssystem (existenzielles Wachstum).
Jede psychische Störung enthält und ist ein existenzielles Problem, das aber aufgrund der unterschiedlichen Schwerpunkte des Wertesystems von selbst in den Hintergrund gedrängt wird oder wegen des Frustration-/ Stressintoleranz-Problems nicht wahrgenommen wird.

Existentielle Psychotherapien

Im Rahmen der existenziellen Psychotherapien sind auch spezifische Krankheitsbilder beschrieben. Victor Frankl geht von einer Sinnentleerung des Menschen in der heutigen Situation aus und spricht von einer „noogenen“ (sinnentleerten) Depression. Alfred Adler beschreibt den Verlust des Sinns im Leben bei einem mangelhaften Gemeinschaftsgefühl, wenn der Patient unnütze Handlungen vornimmt, ohne den Blickwinkel „in spes aeternitate“, also so zu handeln „als sei es für die Ewigkeit“.
Fanatismus und extreme Ideologien sind extreme Auslegungen von Wertehierarchien mit dem Anspruch göttlicher Gültigkeit und Wirksamkeit. Diese Formen sind soziologisch kategorisiert, kollektive psychopathologische Muster. Sie sind der rudimentäre Versuch, Gott zu ersetzen durch einen kollektiven Gott mit Ritualen und Symbolen. Wenn der transzendente Bezug des Menschen und seiner Werte verloren geht, wird die entstehende Lücke durch diese kollektiven psychopathologischen Muster ersetzt.

Die Modelle der Existenzphilosophie und ihre Ausläufer entwickelten sich in der antiken Zeit bei Pythagoras, Platon und Epikur. Sie wurden weitergeführt in der christlichen Philosophie bei den mittelalterlichen Kirchenvätern und in der Neuzeit bei Kierkegaard, Tillich und Rahner.
In der Neuzeit sind als philosophische Väter zu erwähnen: Nietzsche, Heidegger, Sartre, Camus und besonders Karl Jaspers der von sechs Grenzsituationen des Menschen ausging, die dadurch gekennzeichnet seien, dass sie zum Leben gehörten, durch den Menschen nicht veränderbar seien und seine bisherigen Problemlösungsstrategien zum Scheitern verurteilten. Er spricht von einer negativen Reaktion auf diese Grenzsituationen (siehe oben) oder einer positiven Grundeinstellung dazu in Form von Gelassenheit und Aufgeben der Selbsttäuschung. Er entwickelte aus diesem Verstehen heraus das Konzept der Psychopathologie in ihrer derzeitig gültigen Form.
Diese Form der existenziellen Grundeinstellung ist der Grundhaltung des Buddhismus zum menschlichen Dasein äußerlich analog. Aus dieser Religion sind die buddhistischen Achtsamkeitspraktiken und ihre Grundhaltung nach meinem Dafürhalten unreflektiert von der Psychotherapie übernommen worden. Sie sind ohne Berücksichtigung der spezifisch buddhistischen Anthropologie nur begrenzt einsetzbar bei existenziellen Problemen. Der derzeitige inflationäre Einsatz dieser Techniken ist kritisch zu sehen.
Spezielle christliche Techniken wie Meditation, Kontemplation und Ekstase werden im Vergleich dazu von der derzeitigen Psychotherapieforschung nicht berücksichtigt. Es ist ein Anliegen der Christlich-intergrativen Therapie und Beratung diese Tools reflektiert im therapeutischen Alltag zu erforschen und zu implementieren.

Folgende Therapieschulen entwickelten sich aus dem Existenzialismus:

  • Daseinsanalyse nach L. Binswanger
  • Existenzanalyse und Logotherapie nach V. Frankl
  • Existenzielle Psychotherapie nach R. May
  • Existenzielle Psychotherapie nach I. Yalom
  • Analytische Psychologie nach C. G. Jung

Die Daseinsanalyse ist eine Weiterentwicklung der Jasperschen Schule und versucht die Gegenwärtigkeiten des Patienten zu erfassen, mit dem Ziel, ihm die Sicht auf seine Möglichkeiten aufzuzeigen.
V. Frankl ist ein Zeitgenosse von S. Freund und entwickelt das Sinnthema umfassend im Konzept des Geistigen des Menschen und Unbewussten Gottes.
R. May und I. Yalom versuchen eine explizite differentielle psychische Ätiologie und daraus abgeleitete Therapiemethoden zu entwickeln.R. May hatte eine Vorreiterrolle und adaptierte existenzielle Denkansätze besonders von E. Fromm und Tilich in die amerikanische Psychotherapie. Er verband damit auch eine Kritik am positivistischen Mainstream der Psychologie und schaffte es, eine eigenständige Psychotherapieschule in Amerika zu etablieren.

I. Yalom ist der bekannteste Verfechter der existenziellen Psychotherapie und er ist zugleich einer der weltweit bekanntesten Psychotherapeuten aufgrund seiner Bestseller über Psychotherapie. Er durchlief eine psychoanalytische Ausbildung und entwickelte konsequenterweise seine existenzielle Psychotherapie als psychodynamisches Verfahren, das sich auf die Existenz des Patienten als „tiefste Ebene seines Seins“ konzentrierte.
Er sieht die existenzielle Psychotherapie als eine Anleitung zur Lebenskunst. Es sei erforderlich eine radikale und ehrliche Untersuchung seiner eigenen Werte und seines Glaubenssystems vorzunehmen mit dem Ziel der Entwicklung eines Eigenen im Gegensatz zu einem „Second hand-life“. In Großbritannien entwickelt sich im Gegensatz zu Europa eine britische Schule der Existenzanalyse.

 

Irvin David Yalom (* 13. Juni 1931 in Washington, D.C.) ist ein US-amerikanischer Psychoanalytiker, Psychotherapeut, Psychiater und Schriftsteller. Er ist emeritierter Professor für Psychiatrie an der Universität Stanford und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Bücher und Romane. Yalom gilt als bedeutendster lebender Vertreter der existenziellen Psychotherapie. Er ist Träger des Internationalen Sigmund-Freud-Preises für Psychotherapie 2009. (Quelle: Wikipedia)

C. G. Jung ist ebenfalls ein Schüler von Sigmund Freud und entwickelte folgende zentrale Konzepte:

  • kollektives Unbewusstes und Archetypen
  • Selbstkonzept mit Individuation
  • Typologie mit Bipolarität des Menschen
  • Finalität

Die Polaritäten in der analytischen Psychologie sind:

  • Freiheit – Unfreiheit
  • Tod – Leben
  • Isolation – Beziehung
  • Sinn – Sinnlosigkeit

Es ist wunderbar, dass dies die großen Themen des christlichen Glaubens sind. Jedoch die Beziehung des Menschen zu Christus fehlt dabei.

Christliche Anthropologie und Existenzanthropologie sind sich im Überblick in folgenden Punkten einig:

  • Es geht nicht ohne Krise.
  • Der therapeutische Entwicklungsprozess verläuft zyklisch.
  • Existenzielle Themen können nicht gelöst werden. Sie müssen „überwacht“ werden, der psychisch Kranke hat zu lernen sie nicht loszuwerden, sondern zu tragen.
  • Die Zukunft des Menschen und seine Vision davon ist die eigenständige Entscheidung des einzelnen Menschen.
  • Es wird im Hier und Heute therapiert, nicht in der Vergangenheit, die Zukunft ist die einzige zeitliche Komponente, welche gestaltet werden kann.
  • Psychische Störung und Gesundheit sind nur quantitativ nie qualitativ unterscheidbar. Es ist von einer Universalität menschlichen Leidens auszugehen.
  • Das menschliche Schicksal ist nicht determiniert, sondern von der Verantwortungsübernahme persönlicher Natur geleitet.
  • Die Entwicklung geschieht intersubjektiv und im Kontext.
  • Das Ziel der Therapie ist nicht der heteronome sondern der autonome Mensch.
  • Die Therapie ist individuell und von einem Wachstumsprozess gekennzeichnet.

Christliche Anthropologie und Existenzphilosophie unterscheiden sich in folgenden Punkten:

  • Der Mensch ist nicht dem Schicksal oder sich selbst verantwortlich, sondern Gott.
  • Er ist nicht alleine auf sich gestellt, sondern ist in Gemeinschaft mit Gott und anderen.
  • Der Mensch hat die Fragen Gottes an ihn zu beantworten.
  • Diese Fragen sind nicht nur Fragen nach der Freiheit, dem Sinn, der letztendlichen Einsamkeit und dem Tod.
  • Es sind auch Fragen nach der Entfremdung, Schuld und Scham, dem Woher und Wohin, von Gut und Böse, von Schmerz und Alter.
  • Das Ziel der Therapie ist aufbauend auf die Autonomie des Menschen, der theonome Mensch.
  • Psychische Krankheit und Gesundheit sind nicht das primäre Ziel der Therapie sondern Wohlbefinden und Zufriedenheit im hier und heute unter dem Blickwinkel „in spes aeternitate“.

Die auf dieser gemeinsamen Schnittmenge zwischen christlicher und existenzieller Sichtweise beruhenden Werte sind: Glaube, Liebe, Hoffnung und Ehre. Ihre praktische Umsetzung im Alltag des Einzelnen findet sich im Dekalog.

Der Mensch ist nicht alleine auf sich gestellt, sondern ist in Gemeinschaft mit Gott und anderen.
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Wie läuft eine Existenzielle Psychotherapie ab?

Ihre therapeutische Grundhaltung ist davon gekennzeichnet, das Bedeutsame aus dem Banalen zu filtern. Sie ist empathisch, solidarisch und engagiert. Sie pathologisiert die zentralen Themen des Patienten. Der Therapeut versteht sich als Wegbegleiter auf einem wichtigen persönlichen Erkenntnis- und Entwicklungsprozess, damit der Betroffene das Wesentliche an sich und sich selbst erkennt. Er wird zur Freiheit erzwungen.

Jedes Symptom des Patienten enthält existenzielle Themen. Symptome entstehen aus der Abwehr der Beantwortung des Existentiellen. (Vgl. „Jona-Syndrom“ in der Bibel).
Die Krise ist ein notwendiger Punkt im Entwicklungsprozess. Jedes Symptom hat somit einen Sinn und Finalität. Es gibt keine Kausalität. Die Diagnose in der existenziellen Psychotherapie erfolgt durch eine Lebensziel- und Planungsuntersuchung sowie Analyse des Wertesystems.
Sie bedient sich im therapeutischen Prozess der Methoden der Narration, des sokratischen Dialogs und Anwendung von Mythen, Bildern und Symbolen.
Der Mensch hat in der existenziellen Anthropologie eine transzendente geistige Dimension, in der seine Spiritualität abläuft. Das Spirituelle wird als ein objektiv Vorhandenes, unbewusstes Ziel aufgefasst, das im Therapeutischen vor allem durch einen introspektiven Prozess zu entdecken ist. Dieser Prozess ist ein Bewusstwerden des Unbewussten, objektiv Vorhandenen. In christlich-theologische Sprache übersetzt: „Gott in sich zu entdecken“.
Das Ziel der Entwicklung ist nach C. G. Jung die Selbstwerdung und wie es Kierkegaard formulierte: „denn das Große ist nicht, das eine oder das andere zu sein, sondern man selbst zu sein und das vermag jeder Mensch, der es nur will.“ In christlich-theologischer Sprache ausgedrückt: „Die Absichten Gottes über mich zu erkennen und sie Wirklichkeit werden zu lassen.“ Damit ist die persönliche Verantwortungsübernahme verbunden und die daraus abgeleitete Verpflichtung, sich zu engagieren. In christlich-theologischer Sprache ausgedrückt: „Verantwortung zu übernehmen und den Dekalog zu leben.“

Zwischen der existenziellen Psychotherapie und der „Christlich-integrative Beratung und Therapie“ (CiBT) gibt es viele Überschneidungen im Bereich:

  • der Anthropologie mit der geistigen Dimension des Menschen: Transzendenz
  • der Begrenztheit, Verletzlichkeit und Bedürftigkeit des Einzelnen
  • der Individualität und Personalität jedes einzelnen therapeutischen Prozesses
  • dem Umgang mit Werten

Der Unterschied besteht in:

  • der Auffassung der Transzendenz
  • dem Störungsbegriff: existenzielle Krise versus Entfremdung
  • der Unterschiedlichkeit in der Definition der Spiritualität
„Denn das Große ist nicht, das eine oder das andere zu sein, sondern man selbst zu sein und das vermag jeder Mensch, der es nur will.“
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Fazit

Die Werte und damit verbunden das Glaubenssystem des Patienten sind ein wichtiger Bestandteil des therapeutischen Prozesses sowohl als pathogenetisches Moment wie auch als Ressource.
Es ist daher immer eine Anamnese der Spiritualität des Patienten notwendig, unter der Voraussetzung der Religionsoffenheit, der Transparenz und Kontrolle der Gegenübertragungssituation.
Es gibt bestimmte spirituelle Techniken, die nach Zustimmung des Patienten den therapeutischen Prozess vertiefen beziehungsweise erleichtern können.
Die „Christlich-integrative Beratung und Therapie“ (CiBT) versucht diesen Aufgaben in wissenschaftlich reflektierter Haltung zu entsprechen.


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  • Informationsbroschüre der de’ignis-Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik auf christlicher Basis.

    Informationsbroschüre zur de’ignis-Fachklinik

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  • Das de’ignis-Institut für Psychotherapie und christlichen Glauben bietet seit über 20 Jahren erfolgreich Fortbildung, Schulung, Supervision und Beratung an, hierbei insbesondere die Fortbildung für Christlich-integrative Beratung und Therapie.

    Broschüre "Fortbildungen, Schulungen und Seminare des de’ignis-Instituts"

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