Ein de’ignis-Fachartikel über die Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche in der Therapie von depressiven Erkrankungen und warum die komplexe Verbindung von Geist, Seele und Körper nicht vernachlässigt werden sollte.

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Einleitung

Als Physiotherapeut:in ist man häufig mit der körperlichen Ebene von psychischen Erkrankungen konfrontiert. Entspannungs-, Bewegungs- und Körperwahrnehmungstherapien sowie physiotherapeutische Einzelbehandlungen werden durchgeführt. Hierbei kann man den Prozess der Patienten während des Aufenthaltes beobachten. Häufig wirken sich Bewegung, Entspannungsübungen und ein verbessertes Körpergefühl positiv auf die psychische Verfassung aus. Ebenso klagen die Patienten weniger über körperliche Beschwerden, wenn es ihnen psychisch besser geht. Auch die Körperhaltung und Bewegungsabläufe spiegeln die psychische Verfassung.

Diese Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche können Therapeuten gezielt einsetzen. In diesem Artikel wird auf die ganzheitliche Therapie von Depressionen, als eine der häufigsten Erkrankungen in Deutschland, eingegangen.

Entspannungstherapie (PMR)

Psychische Erkrankungen beeinträchtigen oftmals die Funktion des vegetativen Nervensystems. Das vegetative Nervensystem besteht aus Sympathikus und Parasympathikus und kann nicht bewusst gesteuert werden. Der Sympathikus versetzt den Körper in Alarmbereitschaft: Unter anderem erhöhen sich Puls, Atemfrequenz und Muskelspannung und können mit Angst, Erregtheit und Unruhe einhergehen. Die Erholungsreaktion wird durch den Parasympathikus gesteuert: Puls, Atemfrequenz und Muskelspannung werden reduziert, die Verdauungsorgane werden aktiviert und es kommt zu einer körperlichen Regeneration und Entspannung.

Die Progressive Muskel Relaxation (PMR) ist eine geeignete Entspannungsform. Das Konzept basiert auf biologischen Vorgängen und ist wissenschaftlich anerkannt. Bei PMR wird eine wechselnde An- und Entspannung der großen Muskelgruppen praktiziert. Muskuläre Spannung und Prozesse im zentralen Nervensystem beeinflussen sich gegenseitig und somit kann die Reduktion des Muskeltonus den Erregungszustand des zentralen Nervensystems reduzieren. Das vegetative Nervensystem wird durch Entspannungsübungen positiv beeinflusst und ausbalanciert. Dadurch können körperliche Symptome abklingen, die im Zusammenhang mit dem Ungleichgewicht des vegetativen Nervensystems stehen, wie zum Beispiel Verdauungsprobleme oder Schlafstörungen. Durch die bewusste Konzentration auf einzelne Muskelgruppen lernen Patienten die muskuläre Anspannung sensibler wahrzunehmen und das Körpergefühl wird geschult. Dies ist hilfreich, um auch im Alltag Anspannungen frühzeitig wahrzunehmen und selbständig regulieren zu können.

Das Foto zeigt einen Mann auf einer Wiese, der einen Sportmatte ausbreitet. Im Hintergrund ist eine Stadt mit roten Backsteinhäusern zu erkennen.
Eva Blanco / photocase

Bewegungstherapie

Depressive Symptome wie reduzierter Antrieb und körperliches Unwohlsein können dazu beitragen, dass Patienten sich weniger bewegen: darunter leiden Körper und Psyche. Sportliche Aktivität kann die Ausschüttung des Neurotransmitters Serotonin fördern und somit die Stimmung aufhellen und sich positiv auf körperliche Funktionen wie Schlaf und Appetit auswirken. Durch die körperliche Aktivität wird außerdem das Stresshormon Cortisol abgebaut, wodurch der vegetative Erregungszustand reduziert wird und es zu einer Entspannungsreaktion kommt. Da bei Depressionen häufig ein Mangel an Serotonin und ein Überschuss an Cortisol besteht, hat Bewegung einen regulierenden Effekt auf das körperliche und psychische Gleichgewicht.

Die Integration von Bewegung im Alltag dient auch zur Tagesstrukturierung und ist eine wertvolle Rezidiv-Prophylaxe. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) belegt, dass körperlich aktive Menschen weniger häufig an Depressionen erkranken. Die empfohlene Bewegungsdauer der WHO besteht aus mindestens 150 Minuten pro Woche moderater Aktivität (z.B. Gehen, Gartenarbeit, Fahrrad fahren) oder mindestens 75 Minuten intensiver Aktivität (z.B. Joggen, Aerobic, Ballsport). Gemeinsam mit dem Patient kann ein Bewegungsplan erarbeitet werden, um schrittweise zur empfohlenen Bewegungsdauer zu gelangen. Dabei ist es wichtig, dass der Patient Freude an der Bewegung hat und Aktivitäten auswählen kann, die ihm gut tun und helfen, den Tag positiv zu strukturieren.

Junge Frau, die sich auf einer Wiese stehend nach vorne beugt und mit den Händen den Boden berührt.
Chuko Cribb / unsplash

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Christlich-integrative Therapie

Die Themen Schuld und Verantwortung stehen häufig im Zusammenhang mit Depressionen. Therapeuten können mit der Bibel arbeiten, um die körperlich-geistlich-seelischen Zusammenhänge bei Depressionen zu veranschaulichen. Die Bibel verwendet häufig körperliche Ausdrücke, um den seelisch-geistlichen Zustand von Schuld darzustellen. „Denn meine Sünden gehen über mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. […] Ich gehe krumm und sehr gebückt; den ganzen Tag gehe ich traurig einher.“ (Psalm 38,5;7). Eine derartige Bibelarbeit kann dabei helfen, die Wechselwirkung von seelischen, geistlichen und körperlichen Aspekten zu begreifen und zu einem ganzheitlichen Verständnis zu gelangen.

Da viele depressive Patienten ein negatives Körperbild haben, kann die Bibel auch als kreatives Werkzeug zur Verbesserung des Körpergefühls eingesetzt werden. Der Körper ist ein Teil der wunderbaren Schöpfung Gottes und in der Bibel bestätigte Gott dies „Und Gott sah alles was er geschaffen hatte, und sah: es war alles sehr gut.“ (Genesis 1,31). In den Psalmen finden sich auch Worte, die man zur Hilfe nehmen kann, um Gott für seinen Körper zu loben. „Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“ (Psalm 139, 13 –14). Um diese biblischen Wahrheiten über den Körper zu verinnerlichen und einzuüben, können sie zum Beispiel gut sichtbar am Spiegel aufgehängt werden.

Der Körper kann einen verstärkten, positiven Stellenwert bekommen, wenn er in das geistliche Leben einbezogen wird. Anbetung und Lobpreis Gottes geht in der Bibel oft mit körperlicher Aktivität einher. Von David ist bekannt, dass er zum Lobpreis Gottes tanzte: „David aber sprach zu Michal: Ich will vor dem Herrn tanzen …“ (2. Samuel 6,21). Außerdem spricht die Bibel häufig von bestimmten Körperhaltungen in der Anbetung: „Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat.“ (Psalm 95,6) Durch das Einbeziehen des Körpers in das geistliche Leben wird die positive Bedeutung des eigenen Körpers verstärkt. Tanzen, Gebetshaltungen, Musizieren, Malen oder andere kreative Ausdrucksformen als Lobpreis bereitet Gott und Menschen Freude. Auch in der Entspannungstherapie können geistliche Impulse oder geeignete Bibelstellen eingesetzt werden, die in körperlichen Ausdrucksweisen davon berichten, bei Gott Ruhe und Sicherheit zu finden: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28) „Behüte mich wie einen Augapfel im Auge, beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel“ (Psalm 17,3).

 

Eine Depression betrifft den ganzen Menschen und sollte daher auch ganzheitlich behandelt werden.

Das Foto zeigt einen Mann auf einer Wiese, der einen Unterarmhandstand übt. Im Hintergrund ist eine Stadt mit roten Backsteinhäusern zu erkennen.
Eva Blanco / photocase

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Fazit

Bei der physiotherapeutischen Arbeit bei de’ignis, wird die Vernetzung von Geist, Seele und Körper beachtet und einbezogen. So helfen körperliche  Therapieansätze wie Entspannungs- und Bewegungstherapien Patienten die positive Wirkung von Bewegung auf das seelische Wohlbefinden nahe zu bringen und die Wechselwirkung zwischen Psyche und Körper auch selbst zu erkennen. Zudem auch den Körper in das geistliche Leben einzubeziehen, um ganzheitlich psychische Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen zu behandeln.


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    Informationsbroschüre zur de’ignis-Fachklinik

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