Ein de’ignis-Fachartikel zur aktuellen Virus Epidemie (SARS-CoV-2) mit wissenswerten Informationen zum Umgang mit den aktuellen sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen.

Wenn Sie weitere Informationen wünschen oder Fragen zum Thema haben, nutzen Sie gerne unser Kontakformular. Wir melden uns dann schnellstmöglich bei Ihnen zurück.

Zum Umgang mit der Corona-Krise

Das Coronavirus (SARS-CoV-2) stellt aktuell unseren Alltag, wie wir ihn kannten, völlig auf den Kopf. Kinder und Jugendliche befinden sich durch geschlossene Schulen ebenso zuhause wie viele Erwachsene im Homeoffice. Einige Geschäfte und Einrichtungen bleiben bis auf Weiteres geschlossen.

Die wirtschaftlichen Einbußen werfen existenzielle Fragen auf. Grundsätzlich gilt eine strikte Kontaktsperre, welche das soziale Leben deutlich einschränkt – und Verdachtsfälle wie Rückkehrer aus Risikogebieten oder enge Kontaktpersonen von Infizierten stehen unter häuslicher Quarantäne. Diese Schutzmaßnahmen zielen darauf ab, den sozialen Kontakt auf ein Minimum zu reduzieren, da gerade vom Kontakt mit anderen Menschen die potentielle Gefahr einer Infektion ausgehen kann. Die Reduktion des zwischenmenschlichen Kontakts stellt uns als soziale Wesen ebenso wie der Umgang mit der Gesamtsituation und der resultierenden Ungewissheit vor große psychische Herausforderungen.

Unterstützung zum Umgang mit der Gesamtsituation

Ungewisse Situationen wie diese haben etwas sehr Bedrohliches an sich. Unser Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle kann in solchen Situationen kaum erfüllt werden. Da kann es schnell passieren, dass eine starke Angst aufkommt, die es uns nicht mehr zu beruhigen gelingt.

Gerade bei der aktuellen Situation sind verschiedene Komponenten ungewiss: Wie lange werden die aktuellen Einschränkungen bestehen? Werde ich oder werden Angehörige erkranken? Mit welchem Ausgang? Wie geht es mit meiner beruflichen Situation weiter? Diese und weitere Fragen bleiben zunächst noch offen.

Im Umgang mit einer solchen Ungewissheit und Angst kann es zuerst einmal helfen, sich bewusst zu machen, was wir selbst in der Hand haben und was nicht. Das, worauf wir selbst Einfluss haben, können wir dann auch angehen, z.B. auf die angemessene Hygiene mit regelmäßigem Händewaschen sowie bei Niesen und Husten – in die Armbeuge – darauf zu achten, außerdem die Regelungen für das öffentliche Leben einzuhalten und die physischen Kontakte soweit wie möglich zu reduzieren. Darüber hinaus sind unsere Fähigkeiten, die Lage insgesamt zu beeinflussen, sehr beschränkt. Jedoch können wir unsere ganz persönliche Situation und unser psychisches Wohlergehen durch folgende Maßnahmen unterstützen:

fizkes / iStock
  • Bewahren Sie sich die Perspektive, dass das Leben irgendwann wieder möglicherweise in besser durchdachten und reflektierten Bahnen weitergehen wird.
  • Versuchen Sie, Ihre eigene Routine – wo dies möglich ist – aufrechtzuerhalten und ansonsten neue Alltagsabläufe zu integrieren.
  • Halten Sie eine gesunde Balance im Umgang mit Medienberichten. Es ist wichtig, über aktuelle Entwicklungen informiert zu bleiben. Eine ständige Informationsflut über belastende Themen setzt uns psychisch jedoch sehr unter Stress. Setzen Sie sich selbst deshalb bestimmte Zeiten, in denen Sie sich bei seriösen bzw. zuverlässigen Quellen informieren und versuchen Sie den Rest des Tages etwas Abstand dazu zu bekommen. Wie Sie verlässliche Informationen erhalten erfahren Sie z.B. auf der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
  • Versuchen Sie, trotz Kontaktsperre ihr soziales Netzwerk aufrechtzuerhalten, indem Sie z.B. mit Freunden und Familie telefonieren, Nachrichten schreiben oder eine Videokonferenz abhalten. Dies könnte auch eine Chance sein, alte Freundschaften wieder aufleben zu lassen, von denen Sie schon eine Weile nichts mehr gehört haben, aber die Sie gerne einmal wieder anrufen wollten. Sprechen Sie mit ihren Freunden auch über das, was Sie belastet und „schlucken“ Sie es nicht alles hinunter. Sie werden feststellen, der eine oder andere hat womöglich ganz ähnliche Sorgen.
  • Nehmen Sie Ihre Gefühle wahr und erkennen Sie diese an. Es hilft nichts, unangenehme Gefühle stets zu verdrängen, sondern schafft Erleichterung, diese einmal ernst zu nehmen.
  • Wenn es Ihnen schwerfällt, mit Bekannten über psychische Belastungen zu sprechen, gibt es auch die Angebote der Telefonseelsorge, bei denen Sie rund um die Uhr anrufen können: 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 oder 116 123
  • Es gibt auch nach wie vor die Möglichkeit eine psychotherapeutische Therapie in einer Praxis, Tagesklinik oder Klinik zu erhalten, da es sich um eine „notwendige medizinische Leistung“ handelt, die Sie bei Ihrer Erkrankung oder in akuten Situationen trotz der bundesweiten Kontaktsperre in Anspruch nehmen können. Kontaktieren Sie vorab die Praxis oder Klinik telefonisch. Die Gesundheitseinrichtungen setzen die erforderlichen Hygienemaßnahmen um, sodass auch ein Vor-Ort-Termin nach telefonischer Vereinbarung in Anspruch genommen werden kann.
  • Auch psychotherapeutische Angebote können an die aktuelle Lage angepasst werden. So werden bei uns und vielerorts z.B. Videokonferenzen zwischen Psychotherapeuten und Patienten angeboten. Auch Onlineangebote wie das IFightDepression-Tool (https://ifightdepression.com/de) können bei der Depressionsbewältigung genutzt werden.
Marjan-Apostolovic / photocase.de
Sie benötigen Hilfe?

Bei de’ignis können Sie abseits der Anforderungen und Belastungen des Alltags eine intensive psychotherapeutische Behandlung in Anspruch nehmen, die auf Körper, Seele und Geist ausgerichtet ist. Versorgt von einem multiprofessionellen Team mit Angeboten, die sowohl der Hilfe in Ihren Nöten wie der Erholung dienen, bieten wir Ihnen in unseren Klinikabteilungen im schönen Schwarzwald beste Voraussetzungen für Ihre Genesung. Erfahren Sie mehr über unsere Angebote!

Hinweis: Wir bieten zusätzlich auch ambulante Videokonferenz-Behandlungen an. Kommen Sie hierfür gerne auf uns zu!

Tagesgestaltung bei Homeoffice, Kurzarbeit und Quarantäne

Für Personen, die sich aktuell im Homeoffice oder in häuslicher Quarantäne befinden oder die von ihrem Job freigestellt wurden, Überstunden abbauen etc., ergeben sich noch weitere Herausforderungen, wie die Frage danach, wie man so einen ganzen Tag zu Hause gestalten kann. Für alle Fälle gilt, dass die Betroffenen für ihre körperliche Fitness und damit auch für ihr psychisches Wohlbefinden sorgen sollten, indem sie auf ausreichend Schlaf achten sowie einen geregelten Schlafrhythmus beibehalten, regelmäßig gesunde Mahlzeiten zu sich nehmen und weiterhin Sport und Bewegung oder auch einmal eine Entspannungsübung in den Tagesablauf einbauen. Und auch wie oben bereits beschrieben, gilt auch für diese Fälle, dass es wichtig ist, soziale Kontakte weiterhin aufrechtzuerhalten – auch wenn man sich nicht real treffen kann.

vorDa / iStock

Tipps für die Tagesgestaltung im Homeoffice

  • Legen Sie Arbeitszeiten fest und halten Sie diese ein.
  • Setzen sie regelmäßige Pausen an.
  • Richten Sie sich wenn möglich einen Arbeitsplatz ein, der vom Wohnraum getrennt ist.

Tipps für die Tagesgestaltung in Quarantäne

  • Erinnern Sie sich selbst daran, dass die Quarantäne nur eine vorübergehende Zeitspanne betrifft und Sie damit andere vor einer möglichen Infektion schützen
  • Überlegen Sie sich Projekte, die Sie schon immer mal angehen wollten und setzen Sie sich realistische Ziele. Achten Sie dabei auf die Ausgewogenheit von Pflichten und angenehmen Tätigkeiten. Unter Pflichten könnte man sich z.B. vornehmen, einen Schrank oder ein ganzes Zimmer auszusortieren, die Fenster zu putzen, etwas Kaputtes zu reparieren etc. Angenehme Tätigkeiten könnten sein, dass Sie ein neues Stück auf Ihrem Musikinstrument einstudieren, eine Fremdsprache lernen bzw. auffrischen oder wieder anfangen zu malen, nähen, basteln oder etwas Technisches oder ein Möbelstück aus vorhandenem Material zusammenbauen. Vielleicht gibt es da auch noch etwas anderes, was Sie schon immer einmal machen wollten, wofür aber nie die Zeit reichte.
  • Schreiben Sie sich Ihre Ideen am besten auf eine Liste, die immer wieder ergänzt werden darf.
    Erstellen Sie sich mit Ihren Vorhaben eine Tagesstruktur und belohnen Sie sich selbst, wenn Sie etwas erledigt haben, z.B. durch ein ausgesprochenes Lob oder indem Sie danach einer angenehmen Tätigkeit nachgehen.
  • Was die körperliche Fitness betrifft, versuchen Sie Sport und Gymnastik zu machen, die in dem Ihnen zur Verfügung stehenden Raum möglich sind. Dabei können Sie sich von Internetvideos inspirieren lassen.
BullRun / AdobeStock

Herausforderungen in Familien

Für Familien mit Kindern stellt die Corona-Situation eine enorme Herausforderung dar. Kinder nehmen die aktuellen Entwicklungen sehr sensibel wahr und machen sich Gedanken und Sorgen. Darum ist es wichtig, dass die Eltern deren Fragen ernst nehmen und diese wahrheitsgemäß dem Alter des Kindes entsprechend beantworten, ohne die Situation zu dramatisieren oder zu sehr zu verharmlosen.

Auch bei Kindern ist es wichtig, den Medienkonsum und die Konfrontation mit aktuellen Nachrichten angemessen zu begrenzen. Als ganze Familie könnte ein Tagesablauf vereinbart werden, sodass die Kinder eine gewisse Orientierung bekommen. Empfehlenswert wären Zeiten, in denen gemeinsame Aktivitäten eingeplant sind, sowie Zeiten, in denen die Kinder sich allein beschäftigen, sodass jeder einen gewissen Rückzugsort erhält.

Planen Sie Ihre Kinder auch bei alltäglichen altersangemessenen Erledigungen ein, sodass diese eine Aufgabe haben und erleben, dass sie etwas zum gemeinsamen Leben beitragen. Wenn Sie selbst angespannt unter der Situation sind und dementsprechend gereizt reagieren, erklären Sie Ihrem Kind ruhig auch in angepasster Weise, warum Sie so reagiert haben. Versuchen Sie außerdem unter Berücksichtigung der aktuellen Auflagen sich mit den Kindern nach Möglichkeit an der frischen Luft aufzuhalten, damit sie sich etwas „austoben“ können. Diese Zeit kann neben allen Herausforderungen eine enorme Bereicherung für das Zusammenleben und Vertrauen in der Familie darstellen.

skynesher / iStock

Bei de’ignis erhalten Sie individuelle Beratung und Coaching zu spezifischen Themen, die die psychische Gesundheit betreffen oder Ihrer gesundheitlichen Vorsorge bzw. zur Prävention von psychischen Erkrankungen dienen.

Mehr Informationen finden Sie unter Prävention und Gesundheitsförderung

Perspektive neu ausrichten

Bei all den Unsicherheiten, drastischen Alltagsveränderungen und Herausforderungen, mit denen wir aktuell konfrontiert sind, haben wir es selbst in der Hand, unsere Perspektive auch auf die Chancen zu richten, die diese Zeit mit sich bringt. Viele von uns sind es gewohnt, sehr beschäftigt zu sein und viele Termine zu haben.

Der Großteil dieser Termine fällt nun erst einmal aus. Dies kann eine Zeit des Zur-Ruhe-Kommens werden, wenn wir dies zulassen – eine Zeit des Durchatmens, in der wir uns neu orientieren können, was uns im Leben wichtig ist und wie wir entsprechend unser Leben sowie unsere Zukunft gestalten möchten. Generell gibt uns die Situation eine Chance, uns aufrichtig zu reflektieren und möglicherweise unsere Prioritäten neu zu sortieren.

Für zusammenlebende Paare und Familien birgt die aktuelle räumliche Nähe natürlich ein erhöhtes Konfliktpotential, jedoch auch die Möglichkeit, sich wieder näher zu kommen, Zeit miteinander zu verbringen und sich dabei kreative Mittel auszudenken, wie z.B. für Paare ein selbstgekochtes Candle-Light-Dinner mit anschließendem Tanzabend unter Anleitung eines Internetvideos oder bei Familien ein Spiele- oder Heimkinoabend mit selbstgemachtem Popcorn oder Schokofrüchten.

Und auch, was das Zusammenleben in der Gesellschaft betrifft, können wir einander Unterstützung geben ohne uns leibhaftig zu begegnen und uns dadurch wieder näher kommen, z.B. indem ein junger, gesunder Mensch für einen älteren Nachbarn einkaufen geht oder mit dessen Hund einen Spaziergang macht. Und nicht zuletzt dürfen wir auch in dieser Zeit wissen, dass wir nicht alleine sind – nicht einmal in der Einzelquarantäne: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Mt. 28, 20). Bleiben Sie gesund!

YakobchukOlena / iStock
de'ignis-Magazin Archiv

Die aktuelle Ausgabe unseres de’ignis-Magazins, sowie alle anderen bisher erschienenen Ausgaben können Sie online in unserem Archiv durchblättern. Wir wünschen viel Freude beim Lesen und hoffen Sie profitieren von den hochwertigen Fachartikeln zu Themen der psychischen Gesundheit und christlich-biblischen Ansätzen im Gesundheits- und Sozialwesen.


Weitere interessante Fachartikel →Mehr erfahren

Downloads

  • Informationsbroschüre der de’ignis-Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik auf christlicher Basis.

    Informationsbroschüre zur de’ignis-Fachklinik

    Broschüre (PDF:3 MB)
    Download
  • Das de’ignis-Institut für Psychotherapie und christlichen Glauben bietet seit über 20 Jahren erfolgreich Fortbildung, Schulung, Supervision und Beratung an, hierbei insbesondere die Fortbildung für Christlich-integrative Beratung und Therapie.

    Broschüre "Fortbildungen, Schulungen und Seminare des de’ignis-Instituts"

    Broschüre (PDF:3 MB)
    Download
  • Informationsbroschüre zum de'ignis-Wohnheim für sozialtherapeutisches Wohnen. Es deckt die Bereiche des intensiven und teilstationären Heimbereichs, den Wohntrainingsbereich sowie den ambulanten Bereich ab.

    Informationsbroschüre zum de'ignis-Wohnheim

    Broschüre (PDF:1 MB)
    Download

Jetzt zum de’ignis-Newsletter anmelden und informiert bleiben.

Mit dem monatlich erscheinenden de’ignis-Newsletter erhalten Sie neben aktuellen Informationen über die Arbeit von de’ignis, wissenswerte und spannende Fachartikel zu christlich-biblischen Ansätzen im Gesundheits- und Sozialwesen.

Bei Anmeldung zum de’ignis-Newsletter stimmen Sie unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie den Datenschutz- und Cookie-Richtlinien zu.